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FASKINDER
Alkohol in Schwangerschaft und die Folgen für das Kind!
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Inhalt 2:
FAS-Tag Bericht 2
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FAS-Sprechstunde in Berlin:
030 30354455 |
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FAS Tag:
Jedes Jahr am
9.9. |
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Spohr greift in seinen Ausführungen noch einmal
zurück in die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes. Er geht auf die
verschiedenen FASD-Diagnosekriterien ein. Interessant sind die vielen
Bilder kindlicher Entwicklung vom Baby zum Erwachsenen
Die sekundäre Probleme bei FASD sind:
-
psychomentale
Gesundheitsprobleme (90%)
-
61% ADS als
Kinder
-
50% Depression
als Erwachsene
-
Schulunterbrechung
/Abbruch
-
wegen
Lernstörungen und
-
wegen
Verhaltensstörungen
-
Konflikte mit dem
Gesetz: Ämtern/Polizei
-
14% aller
6-11-jährigen
-
58% aller
Erwachsenen
-
Freiheitsentzug:
Haft, psychiatrische Unterbringung
-
23% wegen
psychomentaler Erkrankung
-
12% stationäre
Entzüge (Alkohol/Drogen)
-
35% Haft wegen
krimineller Straftaten
86% der jungen Erwachsenen bei seinen
Untersuchungen waren arbeitslos, 30% der vorwiegend weiblichen
Erwachsenen konnten unabhängig leben, dagegen waren 70 % auf fremde
Hilfe angewiesen.
Zitat von Spohr:
„Für mich ist die beste Therapie:
eine Pflegefamilie,
die Marathonqualitäten hat.“
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Man lasse sich diese Diagnose
langsam auf der Zunge zergehen:
„Kein Anzeichen für
Alkoholembryopathie, da er keine Frühförderung hatte!“ |
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Auch eine Einstellung - aber
sicher nicht im Sinne des Patienten
"Wir sind kein Aufenthaltsort für 'Looser' und Arbeitsscheue" |
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Zur Fallstudie von Spohr:
Der junge Mann, Sandrino erhält im Februar 2005 in
einer Klinik für Psychiatrie folgende Diagnose: „Depressives Syndrom
nach Drogen Abusus im Rahmen einer emotional-instabilen
Persönlichkeitsentwicklung“
-
Sandrino wurde mit 9 Monaten aus dem Heim als
gesundes Kind adoptiert, hatte Schlafstörungen, er war sonst
unauffällig.
-
In der Grundschule kommt er gut mit, er treibt
aktiv Sport, spielt Blockflöte und malt.
-
Zu Mengen, Raum und Zeit hat er keinen Bezug. Er
erzählt Fantasiegeschichten und neigt zu Schwindeln und Lügen.
Der Kontakt zu den leiblichen Geschwistern wird
verwehrt, worauf er mit starker Wut reagiert. Einige Jahre später
erfährt er von der älteren leiblichen Schwester vom Alkoholmissbrauch
und dem frühen Tod seiner Mutter. Er hat eine starke innere Unruhe und
depressive Phasen („Wer bin ich, welchen Sinn hat mein Leben, wo ist
mein Platz in der Gesellschaft?“).
Er hat immer wieder
Konflikte mit der Polizei durch
Diebstähle und Gewaltausbrüche. Es kommt zum Schulabbruch in der 9.
Klasse ohne Abschluss. Er kann nicht mehr und kommt in eine Klinik für
Kinderpsychiatrie: Dort wird er auf eine vorgeburtliche
Alkoholschädigung untersucht mit der Diagnose: „Kein Anzeichen für
Alkoholembryopathie, da er keine Frühförderung hatte!“
Ein berufsvorbereitendes Jahr als Reha-Maßnahme
wird auch zweimal nacheinander abgebrochen. (Sündenbock,
Schulschwänzen) 2005 beantragt er nochmals freiwillig einen Aufenthalt
in der Jugendpsychiatrie. Eine Verlängerung wird trotz
Kassenzusage abgelehnt mit der Begründung: „Wir sind kein
Aufenthaltsort für „Looser“ und Arbeitsscheue!“
Danach hat er wieder Konflikte mit der Polizei und
neigt zu Gewaltausbrüchen.
Der junge Mann war selbst anwesend und bestätigte
die Angaben von Spohr. Es bleibt zu hoffen, dass eine Lösung
für sein Leben gefunden wird, in der er adäquat gefördert, gefordert
und vor allem auch verstanden wird.
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Fehlinterpretation des Verhaltens bei FASD führt häufig zu
Verurteilungen! |
| Wer lächelt, der
bereut nicht!
Was ist aber mit denen, die die Tragweite der Tat
gar nicht erfassen können? |
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Spohr erklärt was eigentlich nötig ist, um ein unabhängiges,
eigenständiges Leben führen zu können:
-
stabile positive soziale Beziehungen
-
Unabhängigkeit
-
adäquate Kommunikation
-
angemessenes Urteilsvermögen bei Arbeit und
Schule
-
adäquates Verhalten in Gemeinschaft
Häufig werden Menschen mit FASD ständig
missverstanden. 50 % der Erwachsenen mit FASD haben ADS – sie
kompensieren ihren Erinnerungsverlust oft mit erfundenen
Geschichten, dem so genannten
Konfabulieren. Es besteht nur eine geringe Wirkung von Bestrafung
und Belohnung und darüber hinaus eine erhöhte Anfälligkeit für delinquentes
Verhalten.
Probleme der Erwachsenen vor Gericht
-
Lächeln vor Gericht wird als Reulosigkeit
ausgelegt.
-
Druck bei Verhören führt zu unrichtigen
Geständnissen (da die Folgen der Geständnisse nicht erkannt werden).
-
Sie sind rasch zu verunsichern, wenn sie als
Zeugen aussagen und gelten aus diesem Grund als unglaubwürdig.
-
Sie wollen positiv angenommen werden, reden sich
um Kopf und Kragen wundern sich dann, dass sie eine Gefängnisstrafe
erhalten.
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Wie wahr!
Oft müsste dieses Syndrom auch:
„Fetales Foltersyndrom“ heißen! |
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Menschen mit FASD haben oft keine Möglichkeit
traumatisierende Erlebnisse zu bewältigen. Oft müsste dieses Syndrom
auch: „Fetales Foltersyndrom“ heißen, denn sie haben nicht nur die
vorgeburtliche Schädigung, sondern außerdem oft noch Traumatisierungen
erlebt. Hinzu kommt, dass sie aufgrund ihrer vorgeburtlichen
Schädigung nicht der Norm entsprechend reagieren können. Indem sie
aus diesem Rahmen fallen, ecken sie oft überall an und werden nicht
als der Mensch akzeptiert, der sie sind.
Aufgrund der strukturellen und chemischen
Veränderungen im Gehirn (Frontalhirnsyndrom
und daraus resultierende
Executivstörung) können sie häufig – wenn sie 18 sind – nicht
selbstständig in das Leben entlassen werden. Becker stellt uns ihr
Wohnkonzept in Berlin vor und die großen Probleme, vor denen sie als
Institution stehen, dass das Syndrom selbst nicht als eigenständige
Erkrankung anerkannt ist. Sehr häufig kommt es außerdem vor, dass
Patienten nirgendwo richtig eingeordnet werden – denn in
Therapieformen und Wohnprojekten gibt es die Einteilung in psychische
Erkrankungen und geistige Behinderungen. Eingliederungshilfen können
beantragt werden unter § 53.
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Menschen haben oft sehr
verschiedene physiologische Reaktionen auf Alkohol! |
| Für Kinder aus
Suchtfamilien entstehen dem Staat höhere Kosten von 36%.
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Zobel erläuterte uns, unter welchen Bedingungen
Kinder häufig aufwachsen müssen, welchem Druck sie ausgesetzt sind und
wie sich diese äußeren Umstände auf das Verhalten der Kinder auswirken.
Aus Studien geht hervor, dass Menschen mit FASD
eine andere subjektive und physiologische Reaktion auf Alkohol zeigen.
Wichtige Rituale in unseren Familien sind:
-
gemeinsame Mahlzeiten am Tisch
-
gemeinsame Unternehmungen am Sonntag
-
Geburtstagsfeiern der Kinder
-
Weihnachten oder Ostern feiern.
Dies fehlt häufig den Kindern.
Die Suchtentwicklung der Kinder:
Für Kinder aus Suchtfamilien entstehen dem Staat
erhöhte Kosten von 36%.
Die so genannte Alkoholtoleranz ist eventuell
genetisch bedingt. Es gibt Menschen, die können physiologisch mehr
vertragen als andere Menschen, sie waren vom ersten Schluck an
Alkoholiker. Sie haben z.B. eine erhöhte Stressdämpfung nach Alkohol.
Schutz für diese Menschen ist, wenn sie innerlich
(charakterlich) widerstandsfähiger sind (z.B. bei Peer Group,
Gruppendruck), oder sie den Alkohol schlecht vertragen. Wichtig ist
für sie auch, dass sie eine geringere Erwartung der positiven Effekte
haben.
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Rollenverhalten der Kinder in
Suchtfamilien:
Held, Clown, Sündenbock, das
'unsichtbare' brave Kind, Träumer, Friedensstifter |
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Aus dem Zusammenleben mit
suchtkranken Eltern oder Elternteilen ergibt sich außerdem noch ein
verändertes Rollenverhalten der Kinder.
Wichtig fand ich, dass Zobel das abweichende
Rollenverhalten der Kinder in Suchtfamilien darstellte, denn häufig
werden eben diese Kinder in Pflege- oder Adoptivfamilien vermittelt
und niemand weiß so recht, warum dieses Kind immer den Helden spielen
will oder den Clown.
In der Regel ist es so, dass der Partner eines
alkoholabhängigen Menschen – ob Mutter oder Vater – als Co-Abhängiger
dessen Verhalten deckt. Es wird als nicht so schlimm dargestellt, es
werden Ausreden benutzt, um das Verhalten zu erklären. Die Realität
wird nicht gesehen und alles getan, um die Sucht nicht offenbar werden
zu lassen. Somit dreht sich im Grunde genommen alles um den
suchtkranken Elternteil – dahingegen dreht sich überhaupt nichts um
die Kinder.
Meist gerät der Erstgeborene aus diesem Grund in
die Rolle des Helden. Er umsorgt teilweise einen oder beide
Elternteile, er versorgt seine kleineren Geschwister. Oft sind es ganz
junge Kinder, welche die Rolle eines Elternteils übernehmen – Zobel
berichtete von einem 5-jährigen Kind, welches das Wohlergehen des noch
jüngeren Geschwisterkindes nur nach Vergewisserung, dass sich auch
adäquat gekümmert wird – in ärztliche Hände gab.
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Erwachsene tragen dieses
Rollenverhalten auch noch an sich. |
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Eines der Kinder in Suchtfamilien – meist ist es
das Zweitgeborene – das ist der so genannte Sündenbock. Es wird für
alles getadelt, was schief läuft und verhält sich dann später aber
auch so, dass diese Rolle aufrecht erhalten wird.
Ein Kind ist der Träumer. Es denkt sich in eine
andere Realität – weit weg von der eigenen Familie sucht es sein Glück
in Luftschlössern und Geschichten.
Dann gibt es den Friedensstifter und den Clown, manchmal auch das
„unsichtbare“ brave Kind. Der Friedensstifter stellt die
Harmonie über alles und versucht immer, alle Parteien zusammen zu
bringen, der Clown zieht wieder die Aufmerksamkeit auf sich durch die
Possen, die er vollzieht, die witzigen Sprüche und sein lustiges
Auftreten: „In dieser Familie kann ja nichts falsch sein bei so einem
Kind!“ täuscht dieses Verhalten oft vor.
Es gibt auch das stille, unsichtbare Kind. Es ist besser, unscheinbar
und unsichtbar zu sein, als jemandem in die Quere zu kommen und seine
Blicke auf sich zu ziehen.
Ganz wichtig ist es, dass man weiß, dass dieses Rollenverhalten bis
ins Erwachsenenalter mit übernommen wird und oft große Probleme in
Partnerschaften macht.
(Mehr Erklärungen des Rollenverhaltens
bei: Leuchtfeuer e.V.)
==>
"Kinder aus alkoholbelasteten Familien"
Dokument von Dr. Martin Zobel pdf 71 kb (zum
Download auf rechte Maustaste drücken: Ziel speichern unter")
Abschließend möchte
ich sagen, dass Fasworld e.V. es verstanden hat, sowohl Eltern und
Laien als auch Ärzte und
Fachkräfte für dieses Thema zu begeistern. Viele wichtige
problematische Bereiche im Leben eines Menschen mit FASD wurden
erkannt und die entsprechenden Fachleute angesprochen. Einmal „infiziert“
mit dem Virus „Fetales Alkoholsyndrom“,
gelingt es auch meist, diese Menschen in die Arbeit von FASworld einzubinden.
Kontaktadresse von
FASworld Deutschland:
FASworld e.V.
Geschäftsstelle
Gisela Michalowski
Hügelweg 4
49809 Lingen
fasd@fasworld.de
www.fasworld.de
21.09.2005
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FAS-Tag Bericht 1
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Stand:
08.07.08 |
Copyright 2005 by Reinhardt
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